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11.04.2015
Gastbeitrag - etwas länger



"Mensch, seht Ihr gut aus, leck mich in der Täsch!"
Kölsche Töne in Guadeloupe.
???
Ach ja, die mit einem abwechslungsreichen Bespassungsprogramm im Moment geforderte Crew der Libertina II hat mich vor die Wahl gestellt: Latrine putzen oder Gastbeitrag schreiben. Nun, das haben sie nun davon, und IHR könnt Euch ja nicht wehren! Im Moment sitzt Rainer an der Tastatur, um die letzten Tage in Worte zu fassen, sofern man das überhaupt kann. Heidi und ich sind seit über 2 Wochen Gäste auf der Libertina II.

Zwei Tage nach unserem Wiedersehen in der Marina in Pointe-a-Pitre und rund 20 Monate nach der Verabschiedung in Faro, Portugal, sind wir mit etlichen "Kleinigkeiten" im Gepäck angeheuert und haben unsere Kojen bezogen.
"Lass uns doch mal in den Norden von Bass Terre fahren, da zeigen wir Euch, wo wir in Deshaies geankert haben."
"Juut, wann solle mir los fahren?" - "Wenn wir fertig sind!"
Hm, super Zeitangabe bei Seglern.



"Halt, stopp, da gibt es frische Kokosnüsse!" Der Rasta war ein Netter und wurde richtig gesprächig, soweit wir das überhaupt verstanden. " I like Hamburg, Freiburg, Dortmund..." - "Hey, super, me too." Wir saugen die frisch aufgeschlagenen Trinknüsse leer, herrlich! Versorgen uns mit einer 1 1/2 ltr .Wasserflasche voller Kokosnusswasser plus die gleiche Menge frisch gepresstem Zuckerrohrsaft als Wegzehrung, Erinnerungsfotos, Abmarsch.

Wenn es eigentlich nix Besonderes zu sehen gibt, dann muss man aber trotzdem DIESEN Wasserfall gesehen haben, denn sonst war man ja nicht auf Guadeloupe, Tobago...lässt sich beliebig fortsetzen. Also nix wie hin, gedämpfte Erwartungen bestätigt bekommen, Erinnerungsfoto, Abmarsch, wir können jetzt mitreden. "Wasserfälle sind wie Kerle, kennst Du einen, kennst Du alle" um mal Christiane zu zitieren.



Vorher noch Picknick in Deshaies. Finden die einzige freie Parkbank mit integriertem Tisch im Schatten (!!!) ca. 150 m vom Müllplatz des Dorfes entfernt. Egal, et is wärm in der Karibik, Heidi und ich haben immer noch leichte Anpassungsschwierigkeiten, wir suchen Schatten. Aber da müssen wir jetzt durch. Punkt.
"Morgen gucken wir uns mal Grand Terre an, und dann hauen wir ab zu den Saintes".
"Prima, dann würde ich gerne Port Louis sehen, von dort sind wir damals rüber nach Antigua."

Mittlerweile haben Heidi und ich unsere Kojen im geräumigen Vorschiff eingemieft. Entgegen früherer Erfahrungen musste ich diesmal kein Klo reparieren. Alles tip-top. Und überhaupt: Ein eigenes Klo!! Luxus pur.
Bordroutine stellt sich ein, Kopf einziehen, Knie hoch. Beulen am Kopf und kleine Schürfwunden am Knie helfen dem Erinnerungsvermögen nach.

„Und morgen kaufen wir auch noch Proviant ein, und am Mittwoch geht’s ab zu den Saintes.“ Skipper’s Worten widerspricht keiner. Im Supermarkt stellt sich auch schnell heraus, wie die Hierarchie verteilt ist: Wer den Einkaufswagen schieben darf, steht jedenfalls nicht oben. Aber: Man sieht den Chef de Cuisine gedanklich schon Mehrgängemenüs zusammenstellen. Besser man schiebt die Karre still vor sich hin; viel besser, als dass man später selber kochen muss.



Ost mit 15 Knoten, Welle ca. 1 m, wir laufen mit 5 Knoten Richtung Iles des Saintes. „Für das kurze Stück lohnt es sich nicht das Groß zu setzen, wir belassen es bei der Genua.“ Ist uns egal, für Heidi & mich geht es jetzt nur darum,, nicht zu „opfern“. Selbst als der Wind einschläft und die eiserne Genua (=Maschine, für die Landratten) aushilft, werden wir nicht seekrank. Halleluja!



Ankunft auf den Iles des Saintes kurz nach Sonnenuntergang, super für die Fotos, nicht so super für das Ankermanöver mitten in einem Ankerfeld bei stark abfallendem Ankergrund. Nach dem 3. Anlauf ist der Haken endlich souverän eingefahren und hält. Inzwischen ist es pottendunkel. So ist das halt in der Karibik: Kaum ist die Sonne weg, ist es auch schon düster, da vergehen keine 15 Minuten. Einer dreht den Schalter um: Licht aus.



„Festhalten!“ Mach‘ ich doch die ganze Zeit… Wolfgang zeigt mal, was sein neues Dinghi und der 15 PS Außenborder so drauf hat. Ich reite auf dem Beiboot wie auf einem wildgewordenen Stier, langsam jaulen die Bandscheiben. Wir gleiten (darunter habe ich bisher was anderes verstanden) von Wellenkamm zu Wellenkamm. Gischt spritzt hoch und ehe sie mir ins Gesicht fliegen kann, sind wir schon vorbei. Ein Höllenritt, aber echt geil.

Wir drängeln uns zwischen den geschätzten 1000 Kreuzfahrttouristen zum Internetbüro, wo man ruck-zuck online einklarieren kann. Frankreich macht es leicht für Segler, wenn doch alle so wären.

„Wie wär’s mit ´nem ordentlichen Kaffee und Croissant?“ – „Wo?!“

Das Café liegt etwas versteckt, ist innen angenehm klimatisiert, wir sind die einzigen Gäste, Croissant ist köstlich. Wir nehmen noch ein paar Baguettes mit und Croissants für die wartende Crew an Bord.

Die Tage in den Saintes vergehen im Flug. Wir besuchen noch die einzige weitere bewohnte Insel Terre-de-Bas, aber mit der Fähre. Beim einzigen geöffneten Restaurant bekommen wir keinen Tisch, weil wir vorher nicht telefonisch reserviert haben.

Hä???!

Wie denn? Wer kann denn von uns Französisch und wer hat denn die Telefonnummer?



Wir finden auf dem Rückweg dann eine Imbissbude und dort gibt es Fritten rot/weiß, aber satt. Echt creolisch. Danach Eiscreme.

Der Tag ist gerettet – wir sind versöhnt.

„Die 20 Seemeilen nach Dominica werden ein Supersegeltörn“ verspricht Wolfgang. „Alles paßt: Wind und Welle aus der richtigen Richtung.“

Ja, ja, wer an die Wettervorhersage glaubt, glaubt auch an den Osterhasen.



Wir sind noch nicht ganz aus dem Schutz der Inseln heraus, da entlädt sich die riesige Regenwolke über uns. Wellen laufen kreuz und quer, gerade noch so viel Wind, dass die Segel stehen. Wir bleiben hart: Heute wird gesegelt! Später normalisiert sich das Wetter wieder und es wird wirklich ein schöner Törn. Nur für mich eine herbe Enttäuschung: Nach 4 Stunden war der Köder so sauber gewaschen, dass kein Fisch mehr anbeißen wollte. Das gab Minuspunkte.

„Hallo, do you want a tour on the river?“ Wir sind in Landnähe und werden von einem Fischboot mit starkem Außenborder kontaktiert. Ein Fluss und seine besondere Botanik in der „Prince Ruppert Bay“ gilt als besondere Sehenswürdigkeit. Es herrscht Konkurrenz unter den Führern und wer zuerst kommt, mahlt bekanntlich zuerst.

„No, thanks, we want to deal with Albert“ antwortet Wolfgang. Das Boot dreht sofort ab. Wir fahren zum Ankerplatz und kaum ist der Anker unten kommt das umgebaute Fischerboot mit dem groß aufgemalten Namen unseres von Freunden empfohlenen Führers an. Wir werden uns einig, die Flusstour am übernächsten Tag zu machen.

„Wenn ihr wollt, fahre ich Euch zum Zoll mit meinem Boot.“ – „Super, dann können wir unser Dinghi ja erst mal oben lassen.“

Albert bringt uns fast quer über die weitläufige Bucht zum Anlegesteg der Behörde. Drei Formulare und rund 10 € später sind wir offiziell im Land eingereist. Na prima, jetzt jeht et loss!

Auf halber Strecke zurück zur Libertina II hält Albert neben einem kleinen Fischerboot. „Wollt ihr frischen Fisch?“ – Mensch, ist der Papst katholisch?

„Na klar! Wo, welcher, wie teuer?“



Wir werfen einen Blick auf den Fang des Fischers. „Wahnsinn! Das sind Goldmakrelen, und was für Monster! Da essen wir 3 Tage von. Egal, nehmen wir.“

Wir werden uns handelseinig, die Verhandlung läuft in Kreolisch, allen ist klar, dass Albert auch sein Scherflein davon bekommt. Scheine und Fisch wechseln die Besitzer, Albert bietet sich an, den Fisch für uns zu filetieren und behält als Lohn den Fischkopf, und unser „Paul Bocuse“ an Bord zaubert davon wieder ein unvergessliches Abendessen.

Was für ein Tag!!!

Am nächsten Morgen fahren wir alle zum Markt. Ein paar wenige Marktstände, deren Verkäuferinnen uns ihre Tomaten, Papayas oder Grapefruits anbieten. Wir wollen erst mal einen Überblick bekommen und latschen hinter unserem Chefkoch her. Und dann kommt der Regen. Kübelweise fängt es an zu klatschen, das Wasser strömt auf der Straße in Bächen, wir stellen uns in der Fischhalle unter. Und wir fangen an Kreolisch zu lernen. Noch nie zuvor habe ich in so schneller Folge das „f“-Wort hintereinander gehört. Man meint der Sprecher stottere, aber der Kontrahent hat dieselbe Krankheit. Es wird gebrüllt, gestikuliert, aber kein Körperkontakt. Und fast alle anderen Umherstehenden grinsen oder machen Faxen. Irgendwie scheinen die hier für uns ne Show abzuziehen. Denkste, kaum hört der Regen auf, keifen sich die Gemüseverkäuferinnen gegenseitig an. Mindestens soviele „f“-Worte wie bei den Fischverkäufern. Wir denken uns unser Teil und ziehen uns zurück.





Der Leihwagen entpuppt sich als große schaukelnde, klimatisierte Kutsche mit der Lenkung auf der verkehrten Seite. Dafür aber Automatik mit 128 Pferdchen. Ehrlich, ich habe nur 2 x mit dem linken Fuß die Kupplung treten wollen, die Sicherheitsgurte haben dann heftig erklärt, dass da keine Kupplung ist. Erste Erkenntnis der Straßenverhältnisse: Es gibt kein Limit in Steigung/Gefälle. Alles geht. Und die Bremsen scheinen ok zu sein.

Erleichterung bei C&W, auch wenn Wolfgang ungewohnt auf dem Beifahrersitz schon mal stotternd vor Entsetzen auf die vor uns liegenden Riesenschlaglöcher zeigt. „Du, da, da!!“



An einem der unvermeidlichen Wasserfallbesichtungen erfahren wir dann von Einheimischen, dass „du-du“ in Creolisch auf manchen Inseln „meine Liebste/mein Liebster“ heißen soll.

Hm.

Und dann steht er vor uns, „unser“ Adonis, ein Mannsbild wie gemalt.



Unsere weibliche Crew ist hin und weg. Wir kaufen ihm fast den gesamten Obst- und Gemüsestand leer: Kokosnüsse, Trinknüsse, selbstgebrannter Kaffee, Bananen, Passionsfrüchte, Mangos….

Ronald ist aber auch ein ausgesprochen freundlicher Mensch, der es geschickt versteht, seine Produkte an den Mann/die Frau zu bringen. Strahlend weiße Zähne, muskulös…

Mensch, was mussten Wolfgang und ich uns anschließend im Auto für nette Dinge von unseren Du-Du’s anhören….

Wir sind seit 3 Stunden in Roseau und versuchen die Abfahrtszeit der Fähre von hier nach Ponte-a-Pitre rauszufinden. Es scheint, dass es jeder weiß, aber keiner sagen will. Also warten, bis auf Ostersonntag der Ticketschalter geöffnet wird. Drei Leute haben das Firmen-T-Shirt an, aber nur einer darf Auskunft erteilen. Es ist heiß! Endlich bin ich dran: Am Donnerstag um 9:45 Uhr. Erleichterung bei uns allen, endlich mal eine verbindliche Aussage.

Ostern eine Stadtbesichtigung machen ist eine blöde Idee. Alles zu. Was wiederum das Portemonnaie freut.
"Ich hab Kohldampf! Lass uns mal irgendeine Garküche ausprobieren."



„Dreimal Fisch, einmal Rind, bitte.“ Unsere Köchin setzt ihr zufriedenstes Lächeln auf und lässt sich mit dem Portionieren viiiiel Zeit. Zum Essen verdrücken wir uns in eine Ecke in den leeren Markthallen. Alles schmeckt gut und es ist reichlich.

Am letzten Tag unserer Inseltour um die Mittagszeit wieder das Übliche:

„Ich hab‘ Hunger!“ Um meine Reputation als „Fressklötsch“ brauche ich mir keine Sorgen mehr zu machen. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Allerdings habe ich den Eindruck, dass ich nur ausspreche, was alle anderen denken.

Laute Soulmusik dröhnt aus einem Schuppen an der Kreuzung.

„Ich geh da jetzt rein und frag‘ mal.“

Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, als ich die auf nackter Holzwand gemalten Angebote lese:

Chicken-Curry, Fisch, Hamburger, Fritten, Roti…. Ich hab genug gelesen, hier geh ich nur noch satt weg.Keine lange Überzeugungsarbeit für den Rest der Truppe notwendig,, lediglich die sehr laute Musik macht Kommunikation etwas kompliziert. Setzen wir uns halt was dichter zusammen.







„Viermal Chicken-Curry, bitte und 4 Cola.“

Geschmacklich sehr gut, wenngleich wir uns fragen, wieso ein Huhn so große Knochen haben kann.

Im Gebiet der Carib Indianer auf der rauhen Ostseite Dominicas finden wir einen Obstverkäufer, der tatsächlich mal reife Mangos anbietet, obwohl die Saison erst in ein paar Monaten sein soll. Wir langen tüchtig zu. Ein Gedicht, der Saft läuft uns die Kinnlade runter.





Resümee

Heidi & ich hatten einen Traum. Ein Karibik-Revival aus unserer Weltumsegelung 1989. Und genau das haben wir zusammen mit Christiane & Wolfgang auf ihrer LIBERTINA II erleben dürfen. Es war ein sehr harmonisches Zusammenleben auf engstem Raum. Wir haben schnell die gleiche "Wellenlänge" gefunden, vielleicht auch, weil wir selbst als Segler Grenzerfahrungen gesammelt haben.
Von Wolfgang bekocht zu werden, ist alleine schon ein Genuss. Das dann aber auch noch unter erschwerten Bedingungen erleben zu dürfen, muss man einfach selbst erleben, man kann es nicht beschreiben.
Es war eine phantastische Reise und die Fortsetzung einer tiefen Freundschaft.

Wir wünschen Crew und Boot weiterhin "Fair Wind" und die Erfüllung Ihrer Träume.
Unseren Traum haben sie erfüllt.
Danke
Heidi & Rainer





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